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KONSOLIDIERUNG

Bedrohung und Konsolidierung



Kaum hatte Leopold die Herzogswürde übernommen, da lastete das Gewicht der Krone schwer auf seinen Schultern. Er war jung, kaum den Flegeljahren entwachsen, und ringsum witterten Nachbarn die Gelegenheit, die Schwäche des neuen Babenbergers auszunutzen. Das Jahr 1178 brachte Gefahr an allen Grenzen: aus Böhmen, wo Soběslav II. unruhig blieb, aus Ungarn, wo die Machtkämpfe nach Gézas Tod noch nicht verklungen waren, und selbst im Süden, wo der Markgraf der Steiermark, Ottokar IV., sich zeitweilig der Front gegen Österreich anschloss.

Es war, als wollten alle auf einmal den jungen Herzog prüfen. Reiterzüge plünderten Grenzdörfer, Gesandte brachten Drohungen statt Geschenke, und die Kunde von neuen Bündnissen hallte durch die Burghöfe. Doch Österreich hielt stand. Die Burgen der Kuenringer im Norden trotzten den Angriffen, Wolfstein blieb unangetastet, und in Wien selbst zeigte Leopold, dass er kein schüchterner Knabe war, sondern bereit, das Erbe seines Vaters mit Härte zu verteidigen.

Im folgenden Jahr, 1179, wandelte sich das Bild. Nicht durch eine Schlacht, sondern durch ein Hochzeitslager. Heinrich von Mödling, Leopolds jüngerer Bruder, vermählte sich mit Richza, der Tochter des böhmischen Herzogs. Damit erlosch die Glut des Grenzkrieges, und die Donau trug nun wieder Händler statt Heerscharen. Für Leopold war es ein Sieg ohne Blutvergießen, ein Triumph der Diplomatie, den er seinem Bruder verdankte.

Und Heinrich, der sich in Mödling niederließ, führte bald einen Hof, der anders war als der ernste und strenge in Wien. Hier klirrten die Becher lauter, hier erklangen Lieder freier, und die Jagden in den Wäldern waren länger und ausgelassener als die zeremoniellen Feste seines Bruders. Viele Edle, die sich am ernsten Wesen Leopolds stießen, fanden in Mödling ein zweites Zentrum des babenbergischen Lebens – und Franziskus, der Kuenringer, war dort oft ein willkommener Gast, unter Freunden und fern der strengen Etikette.

Das Jahr 1180 schließlich brachte die ersehnte Ruhe. Im Reich selbst wurde ein Jahrhundertstreit beendet: Kaiser Friedrich Barbarossa entmachtete Heinrich den Löwen und ordnete die Herzogtümer neu. Für Österreich bedeutete das eine Atempause, denn die großen Mächte waren nun mit sich selbst beschäftigt. Leopold nutzte diese Zeit, um sein Land zu festigen, die Burgen auszubauen und die Handelswege sicherer zu machen. Sein Ansehen wuchs, nicht als Wüterich, der seine Feinde niederwirft, sondern als Fürst, der Gefahren trotzt und dann in Frieden ordnet, was Krieg und Intrigen zu zerstören drohten.

So vergingen drei Jahre, die begannen mit Bedrohung und endeten mit gefestigter Herrschaft. Drei Jahre, in denen Leopold vom jugendlichen Thronfolger zum Herzog reifte, der sein Land nicht nur durch das Schwert, sondern auch durch Bündnisse und Umsicht zu schützen verstand.