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HEINRICH´S TOD

Zwischen Krieg und Vermählung



Die Jahre zwischen 1175 und 1177 standen im Zeichen von Umbrüchen, Konflikten und neuen Bündnissen, und wer heute den Lauf der Ereignisse betrachtet, erkennt darin den vorbereiteten Weg, der Leopold zum Herzog machte und ihn zugleich mit Ilona verband.

Seit der Vermählung Heinrichs II. Jasomirgott mit Theodora Komnene war das Haus der Babenberger fest in das Netz byzantinischer Politik eingesponnen. Theodora, eine Nichte des Kaisers Manuel I., brachte nicht nur byzantinischen Glanz an die Donau, sondern auch Verpflichtungen: Österreich stand im Einflussbereich Konstantinopels.

In Ungarn wiederum regierte seit 1172 Béla III., der eine außergewöhnliche Laufbahn hinter sich hatte. Er war in seiner Jugend von Manuel nach Konstantinopel geholt und dort als künftiger byzantinischer Thronfolger aufgezogen worden, sogar unter dem Namen „Alexios“. Erst als Manuel sich entschloss, seinen eigenen Sohn einzusetzen, kehrte Béla nach Ungarn zurück. Doch die Bande nach Byzanz blieben – und wurden durch seine Ehe mit Maria Komnene, einer Cousine Theodoras, noch gestärkt.

Damit ergab sich eine brisante Konstellation: Heinrich II. von Österreich stand in enger Verbindung zu Byzanz, und Béla III. ebenfalls – doch nicht als Verbündete, sondern als Rivalen im Ringen um byzantinischen Einfluss. Als dann auch noch Bélas Bruder Géza Anspruch auf die ungarische Krone erhob und Hilfe suchte, stellte sich Heinrich auf dessen Seite. Was aus Sicht Wiens ein taktisches Spiel war, empfand Béla als offene Bedrohung.

Währenddessen entflammte im Norden ein alter Konflikt neu. Herzog Soběslav II. von Böhmen führte 1175 seine Reiter über die Grenze nach Österreich und verwüstete das Waldviertel. Die Chronisten der Melker Annalen berichten schlicht: "Bohemi in Austriam irruperunt et silvam devastaverunt".
Für die Kuenringer bedeutete dies harte Monate. Albero III., das Familienoberhaupt, kümmerte sich um Bündnisse und Verhandlungen, doch es war Hadmar II., der das Schwert führte.
Ganze Dörfer gingen in Flammen auf, Höfe wurden niedergebrannt, und nur die Donau selbst schützte Burg Wolfstein, die jenseits des Stromes lag, vor dem Zugriff der böhmischen Reiter. Franziskus, der junge Kuenringer, stand neben seinem leiblichen Vater Hadmar in vorderster Reihe, als die eigenen Lande bedroht waren, und zeigte allen, dass seine Rolle nicht allein die des Hofgefährten Leopolds war, sondern die des Kämpfers, der sich zu behaupten wusste.

Die Quellen überliefern keine großen Schlachten, sondern ein zähes Ringen. Mal trieben die Böhmen ihre Beutezüge bis tief ins Land, mal sammelten sich die österreichischen Ritter und schlugen zurück. Für die Bauern war es ein Winter des Schreckens, für die jungen Krieger eine Schule des Blutes.

Doch die eigentliche Bedrohung folgte im Jahr darauf. 1176 vereinigten sich die Gegner Heinrichs II. zu einer Koalition, die weit über böhmische Raubzüge hinausging. Nun standen Sachsen, Polen, Böhmen und sogar Ungarn selbst gegen den Babenberger. Denn Béla III. hatte erkannt, dass Heinrichs Unterstützung für seinen Bruder Géza nicht nur eine Provokation war, sondern ein Eingriff in die ungarische Thronfolge. So trafen Heere aus vier Richtungen auf das kleine Herzogtum, und selbst Wien war in Gefahr.

Die Kämpfe dieser Jahre waren verlustreich, doch Heinrich hielt sich, gestützt auf seine byzantinische Verbindung und die Wehrkraft seiner Ministerialen. Die Kuenringer standen dabei fest an seiner Seite, und auch Franziskus, der nun als Mann in den Krieg hinauszog, gewann in den Augen vieler den Ruf, den sein Vater einst trug: hart, unerbittlich, aber zuverlässig. Doch das Land trug die Narben: verbrannte Felder, verwaiste Höfe, zerstreute Menschen. Nur eines war stärker geworden – der Ruf der Kuenringer, jene „eiserne Hand des Herzogs“, die das Land an der Nordgrenze verteidigte, koste es, was es wolle.

Kaum war die Gefahr der Einfälle vorüber, brachte das Jahr 1177 eine Zäsur, mit dem tragischen Unfall und dem Tode Herzog Heinrichs.
Es war ein kalter Januartag, als Herzog Heinrich Jasomirgott mit kleinem Gefolge die Isar bei Freising überqueren wollte. Der Fluss war angeschwollen von den Regenfällen der vergangenen Wochen, und die hölzerne Brücke ächzte unter der Last der Reiter. Niemand wagte es, den Herzog zurückzuhalten; er war entschlossen, den Weg fortzusetzen.

Mit erhobenem Haupt ritt Heinrich, schon vom Alter gezeichnet, doch immer noch von jener Würde, die ihn zum Herzog von Österreich gemacht hatte. Hinter ihm folgte Franziskus von Kuenring, schweigend und wachsam, das Auge stets auf den Weg gerichtet.

Da geschah es: Mit einem lauten Krachen brach der mittlere Abschnitt der Brücke unter den Hufen zusammen. Heinrichs Pferd stürzte, den Reiter mit sich reißend, dann schlugen Tier und Mann mit Gewalt in den eiskalten Fluss.

Das Pferd, ein mächtiges Schlachtross, brach sich beim Aufprall beide Vorderbeine und lag vor Schmerz zuckend im Wasser. Heinrich aber war unter dem Gewicht des Tieres eingeklemmt, er rang um Atem, während das strömende Wasser über ihn hinwegschoss.

Ohne Zögern warf Franziskus seinen Mantel ab, stürzte hinterdrein und stemmte sich gegen den Pferdeleib, suchte mit den Händen nach dem Arm des Herzogs, der kraftlos im Wasser hing. Es war ein verzweifelter Kampf gegen Strömung und Last. Einmal schien es, als würde auch Franziskus in der Flut untergehen, doch mit letzter Kraft riss er Heinrich aus der tödlichen Falle.

Keuchend, halb ertrunken, zerrte er den alten Herzog ans Ufer. Helfer eilten herbei, doch sie fanden Heinrich bereits bleich und schwer atmend. Er lebte, er war dem Ertrinken entkommen – doch der Schmerz in seiner Brust, das Blut, das sich heimlich in seinem Leib sammelte, verriet, dass er schwer verwundet war.

Man bettete ihn in Freising, in einem steinernen Gemach nahe der Domkirche. Tage der Sorge folgten. Priester reichten ihm die Sakramente, und Leopold, sein Sohn, kniete an seinem Bett. Franziskus wachte schweigend in der Nähe, wohl wissend, dass er das Leben seines Herzogs zwar gerettet hatte, aber nur, um es wenige Tage später an die unsichtbare Hand des Todes zu verlieren.

Am 13. Januar 1177 verschied Heinrich Jasomirgott, Herzog von Österreich. Er hatte den Sturz zwar überlebt, doch die inneren Verletzungen waren zu schwer gewesen.

An seine Stelle trat nun sein Sohn Leopold V., der junge Babenberger, an dessen Seite stand die junge Ilona, Halbschwester Béla III. und Tochter Géza II. Es war eine Verbindung, die wohl diplomatisch geplant, doch von Liebe und Leidenschaft erfüllt war.

Die Verlobung in Pressburg, verschwiegen und geheim, fand nun ihre offizielle Bestätigung: Leopold heiratete Ilona kurz nachdem er als der neue Herzog bestätigt war, damit wurde aus einer umstrittenen Allianz ein festes Band, das nicht nur den Babenberger Herzogshof mit dem ungarischen Königshaus verband, sondern auch das Gleichgewicht in Mitteleuropa neu ordnete.

Und während die Chronisten den Tod Heinrichs und die Erhebung Leopolds vermerkten, blieben in den Chroniken die kleineren Geschichten ungeschrieben. Der dunkle Franziskus haderte zum zweiten Male mit Gott, denn dieser hatte ihm nach dem Großvater nun eine weitere Vaterfigur genommen, seinen Gönner Heinrich II Jasomirgott.