DIE SCHLACHT UM AKKON
Als das Heer im Herbst 1190 endlich die Küste Syriens erreichten, war von der gewaltigen Machtentfaltung des Vorjahres nicht mehr viel übrig. In Antiochia und Tyros sammelten sie sich und reisten weiter bis nach Akkon, dort war die Belagerung bereits im Gange, seit 1189 stand die Stadt im Brennpunkt des Krieges.
Saladins Heer war jetzt so groß, dass für die Kreuzfahrer auf dem Landweg fast kein Durchkommen mehr war, und der Winter sorgte dafür, dass auch übers Meer kein Nachschub mehr hereinkam. Im christlichen Feldlager begannen die Seuchen, die Macht zu übernehmen. Friedrich von Schwaben, der Kaisersohn kämpfte viele Wochen lang mit dem Tod, genas aber wieder.
Im Frühjahr 1191 stießen nun auch endlich kleinere Abteilungen aus Italien und Österreich hinzu. Herzog Leopold V übernahm das Kommando und Franziskus wechselte zum österreichischen Kontingent, er mußte lächeln, als ihm sein herzöglicher Freund von den Strapazen seiner Reise über Venedig berichtete.
Als dann das Wetter besser wurde und über den freien Küstenstreifen Schiffe ihre Ladung wieder löschen konnten, war für die Christen die Gefahr des Scheiterns erst einmal gebannt, und als sie erfuhren, dass die Ankunft der Könige Philipp II. August von Frankreich und Richard Löwenherz von England bevorstand, war die Moral, so gut es ging, wieder hergestellt.
Philipp August traf am 20. April 1191 ein, Richard folgte ihm erst am 8. Juni, nachdem er die Gelegenheit genutzt hatte, sozusagen im Vorbeigehen Zypern zu erobern.
Philipp August hatte die Zeit bis zu Richards Ankunft genutzt, um Belagerungsmaschinen bauen und einsetzen zu lassen. Die Herrschaft über das Meer ging nun wieder auf die christliche Seite über, jetzt war es die Stadt, die abgeriegelt war. Richard bemühte sich um eine Zusammenkunft mit Saladin. Dazu wurde ein dreitägiger Waffenstillstand vereinbart; allerdings kam das Treffen dann nicht zustande, weil sowohl Philipp August als auch Richard an einem Fieber erkrankten.
Die Belagerungsmaschinen schlugen Breschen in die Stadtmauern, aber jede neue Bresche führte zu einem Angriff Saladins, so dass die Christen sich der neuen Herausforderung zuwandten und die Einwohner Akkons die Gelegenheit hatten, ihre Mauer wieder zu reparieren.
Am 3. Juli wurde wieder eine ausreichend große Bresche geschlagen, der Angriff aber zurückgeschlagen, dann bot die Stadt ihre Übergabe an, zu Bedingungen allerdings, die Richard ablehnte. Saladin gelang es nicht, sein Heer zu einem Großangriff zu formieren, die Stadt bat um Hilfe und drohte anderenfalls mit der Kapitulation. Am 11. Juli kam es zu einem letzten Gefecht, und tagsdarauf wurde die Übergabe der Stadt angeboten und angenommen, da die Kapitulationsbedingungen diesmal vertretbar erschienen. Saladin, der an den Verhandlungen nicht beteiligt war, akzeptierte die Vorgehensweise seiner Untergebenen. Die muslimische Garnison ging in Gefangenschaft, die Christen zogen in die Stadt ein.
Kaum war die Stadt eingenommen, begann das Ringen um Beute und Ansehen. Jeder Fürst wollte seinen Anteil, jeder Kontingentsführer sein Banner über Akkon erheben. Zwischen den Trümmern und auf den Zinnen flatterten die Fahnen Frankreichs und Englands, und auch das Banner der Babenberger, ein schwarzer Panther auf silbernem Grund. Herzog Leopold, als einer der ersten Angreifer an der Mauer, beanspruchte zu Recht seinen Platz unter den Siegern.
Doch Richards Stolz war größer als die Kameradschaft, auf seinen Befehl hin rissen englische Soldaten das österreichische Banner herunter und warfen es in den Staub. Leopold erbleichte vor Zorn, denn das war eine ungeheure Beleidigung.
Auch in den Augen des Franziskus brannte der Ärger über diese Schmach wie schwarzes Feuer. „Mein Herr,“ sagte er mit rauer Stimme, „gebt mir Euren Surcot.“
Leopold, wie im Traum, löste den Gürtel, und gab seinem Waffengefährten das weiße Gewand, das er in der Schlacht über der Rüstung getragen hatte. Es war über und über mit Blut getränkt, nur dort, wo der breite Gürtel es bedeckt hatte, leuchtete ein makelloser Streifen in Weiß.
Franziskus nahm den Surcot, befestigte ihn auf der Fahnenstange und richtete diese auf. Mit lauter Stimme rief er, so dass man es durch die halbe Stadt hören konnte: „Seht her, die Fahne Österreichs! Rot vom Blut der Feinde, weiß wie die Tugend unseres Herzogs !“
Der Wind erfasste den blutgetränkten Stoff, und die rot-weiss-rote Fahne flatterte über den Trümmern Akkons. Richards Männer hielten Abstand, niemand wagte, dem hochgewachsenen Ritter mit dem finsteren Blick zu nahe zu kommen, er wirkte zu bedrohlich.
So entstanden an jenem Tag des Triumphes und der Demütigung die Flaggenfarben Österreichs, ein Zeichen, das länger halten sollte als der Ruhm des Richard Plantagenet, genannt Löwenherz.
Leopold von Österreich und seine Mannen reisten kurze Zeit später ab, nachdem er sich mit Richard völlig zerstritten hatte, denn dieser wollte sich nicht über die Aufteilung der erbeuteten Schätze und Güter mit dem österreichischen Herzog einigen.
"Das wird er bereuen," fauchte der sonst so gefasste Leopold, "der soll sich nicht getrauen, unser Land jemals zu betreten, dann Gnade im Gott!"
Im Kopf des unheiligen Franziskus reifte bereits ein Plan.