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DER 3TE KREUZZUG

Im Mai 1189 brach Barbarossa mit einer gewaltigen Heeresversammlung von Regensburg auf, während Fusssoldaten, Karren und Reiter am rechten Ufer der Donau auf der alten Römerstraße entlang marschierten, fuhr der Kaiser in einem Schiff den Donaustrom flußabwärts. An der selben Stelle, wo vor vielen Jahren einst sein Großvater Perchtold von Achswald gestanden war, und auf das Schiff des Kaisers Konrad III gewartet hatte, stand nun Franziskus, denn seine Burg Wolfstein lag nur etwa 8km westlich von jener Stelle entfernt, die man heute "Biberinsel" nennt, ein Schiff konnte dort gefahrlos anlegen und Passagiere aufnehmen. So auch das Schiff des Kaisers Friedrich Barbarossa, der als Junger Mann ebenfalls beim 2ten Kreuzzug dabei gewesen war, gemeinsam mit seinem Vetter Heinrich Jasomirgott.
Franziskus watete durch das seichte Wasser und stieg behende in das Beiboot, das ihn aufnehmen sollte, von dort konnte er dann mühelos auf das große Schiff klettern. Sein Pferd und seine ganze Ausrüstung waren bereits mit den Knappen über die Furt auf das rechte Donau-Ufer übergesetzt, um sich dem Tross dort anzuschließen.
Natürlich war es ein Privileg für den jungen Ritter, am Schiff des Kaisers mitfahren zu dürfen, so stand er stolz an der Reling, als sie in Wien an der Ruprechtskirche vorbeiglitten.

Von Wien aus trieb die Strömung das Schiff weiter donauabwärts, vorbei an den flachen Ufern, an Fischerdörfern und weiten Ebenen. Der Kaiser stand oft an Deck, den roten Bart im Wind flatternd, und musterte das gewaltige Heer, wenn man es vom Schiff aus sehen konnte: ein endloser Zug von Fußknechten, beladenen Karren und Reitern, die ihre Banner hoch in die Luft hielten. Die Donau war wie eine glänzende Straße aus Wasser, auf der sich die Zukunft des Reiches bewegte.

In Ungarn schlossen sich weitere Truppen an, und König Béla III. empfing Barbarossa mit Respekt. Es war kein feindliches Land, sondern eine sichere Passage. Proviant wurde geliefert, Pferde bereitgestellt, die Städte öffneten bereitwillig ihre Tore. Für die Männer im Heer war es ein leichter Marsch, doch für Franziskus war es die ständige Aufgabe, in der Nähe des Kaisers zu wachen. Er bemerkte, wie der alte Herrscher, der schon so viele Schlachten geschlagen hatte, seine Kräfte bewahrte, schweigsam und entschlossen. „Er will sich selbst beweisen,“ dachte Franziskus, „und wir alle sind die Zeugen.“

Als sie Belgrad erreichten, war es mit der ruhigen Fahrt vorbei. Hier, am Zusammenfluss von Save und Donau, erhoben sich die Mauern der Festung, die seit jeher Grenzstein zwischen West und Ost war. Die Schiffe konnten nicht weitergeführt werden, die Strömung wurde tückisch und die Flusswege unsicher. Also befahl Barbarossa, die Schiffe aufzugeben. Pferde, Waffen, Zelte – alles wurde an Land gebracht, und das Heer setzte den Weg nun auf staubigen Straßen fort.
Der Marsch führte nach Süden, durch raues, von Bergen durchzogenes Land, wo die Spuren des byzantinischen Reiches noch überall sichtbar waren: verlassene Garnisonen, Kirchen mit goldenen Fresken, die halb zerfallen in der Sonne glitzerten. Doch das Reich der Griechen war schwach geworden, und sein Kaiser Isaak II. Angelos sah dem Zug des Rotbartes mit wachsendem Misstrauen entgegen. Franziskus hörte die Gespräche des Kaisers mit seinen Spionen: Isaak verhandle gar heimlich mit Saladin, dem Feind aller Christen. Ein christlicher Kaiser, der sich mit dem Sultan verbündete – es war ein Gedanke, der allen den Atem raubte.

In Niš endlich, der Hauptstadt des serbischen Großžupans Stefan Nemanja, kam es zur entscheidenden Begegnung. Nemanja empfing Barbarossa wie einen Bruder im Waffenbund. Er versprach, ihm Männer und Pferde zu stellen, und er bot Proviant an, wo immer das Heer durch sein Land ziehen würde. Für ihn war Barbarossas Ankunft eine Gelegenheit, seine eigene Unabhängigkeit vom byzantinischen Kaiser zu festigen.

Franziskus stand immer in der Nähe seines Kaisers Friedrich Barbarossa, auch als die beiden Herrscher einander gegenübertraten: der alte Stauffer, dessen Augen noch immer funkelten wie eine scharfe Klinge, und der serbische Fürst, stark wie ein Bär, entschlossen, sein Reich gegen Konstantinopel zu behaupten.

Als das Heer der Kreuzfahrer im Sommer 1189 Belgrad hinter sich ließ, begann der eigentliche Marsch durch das Herz des Balkans. Was auf den Karten wie ein schmaler Streifen Land zwischen Donau und Ägäis aussah, erwies sich in Wirklichkeit als ein kaum zu bändigendes Terrain für ein Heer von annähernd 100.000 Menschen. Ritter, Fußknechte, Trossweiber, Handwerker, Kaufleute und Geistliche – dazu ungezählte Wagen mit Nahrung, Waffen und Gerätschaften.

Schon bald zeigte sich, dass die größte Gefahr nicht die Schwerter des Gegners, sondern Hunger, Krankheit und Disziplinlosigkeit waren. Wege, die für Händler oder kleine Abteilungen ausreichten, verwandelten sich unter dem Gewicht des Zuges in Morast. Brücken brachen ein, Wälder mussten gerodet, Furten gesichert, Dörfer gezwungen werden, Vorräte herzugeben. Immer wieder kam es zu Plünderungen, weil die Versorgung nicht Schritt hielt. Die Spannungen mit der einheimischen Bevölkerung wuchsen.

Die Reise durch Anatolien zehrte an Kräften und Nerven gleichermaßen. Die Hitze brannte erbarmungslos auf Mensch und Tier herab, das Wasser war knapp, die Wege steinig, und immer wieder lauerten Gefahren durch Überfälle oder Hunger. Dennoch hielt Friedrich Barbarossa unbeirrt an der Route fest. Sein Heer, diszipliniert wie kaum ein anderes im Abendland, folgte ihm – wenn auch zunehmend erschöpft.

Am 10. Juni 1190, nach einem langen Tagesmarsch, lagerte man am Ufer des Flusses Saleph. Der Kaiser, von der Hitze gezeichnet, legte Rüstung und Mantel ab. Er wollte sich erfrischen, das staubverkrustete Gesicht waschen, ein wenig Kraft schöpfen für den nächsten Tag. Das Wasser reichte ihm kaum bis zur Hüfte. Doch als er sich vorbeugte, um die Hände ins kühle Nass zu tauchen, riss ihn plötzlich eine tückische Strömung von den Füßen. Franziskus sah man seinen roten Bart kurz über der Wasseroberfläche, ehe der Kaiser seitlich kippte, und reglos, vom Strom erfasst davontrieb.

Er rannte am Ufer entlang, während die Männer ringsum wie erstarrt wirkten. Dann stürzte er sich ins Wasser, kämpfte gegen die Strömung, bis er den Körper des Kaisers erreichte, zerrte ihn an Land, legte ihn auf die Steine des Ufers und versuchte, das Wasser aus der Lunge seines Herren zu pressen, doch es war vergebens: Der Kaiser atmete nicht mehr. Hatte sein Herz aufgehört zu schlagen, ausgelöst durch die Anstrengung und der plötzlichen Kälte des Wassers, oder war er ertrunken ? Die Meinungen der Ärzte, die seinen Leichnam im Zelt des Herrschers aufbahrten und untersuchten, gingen auseinander.

Für den fassungslosen Franziskus machte das keinen Unterschied, nach Heinrich Jasomirgott hatte er zum zweiten Male seinen Herrn nicht retten können, und er gab sich selbst die Schuld daran, aber auch dem grausamen Gott, der ihm wieder einen geliebten und verehrten Menschen entrissen hatte.

So starb Friedrich Barbarossa, der Mann, dem halb Europa gefolgt war, nicht durch das Schwert des Feindes, sondern in den Fluten eines unscheinbaren Flusses.

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Das Kreuzfahrerheer wie gelähmt, ein ganzer Feldzug, getragen vom Ruhm und der Persönlichkeit des Kaisers, war plötzlich führerlos. Man sammelte sich in Hast und Ratlosigkeit; die Fürsten und Edlen stritten darüber, wie es nun weitergehen solle. Ein Teil des Heeres verlor den Mut und kehrte um. Andere wollten sofort weiterziehen, um das Gelübde nicht zu brechen.

Die Leiche des Kaisers wurde einbalsamiert und in einer improvisierten Bahre nach Tarsos gebracht. Doch die Hitze Kleinasiens ließ den Körper rasch verfallen. Schließlich wollte man Barbarossa in mehreren Etappen bestatten: Herz und Eingeweide in Tarsos, Fleisch in Antiochia, die Knochen in Jerusalem – so jedenfalls war der Plan.

Für den dunklen Franziskus war die Situation auch nicht klar, er war dem Kaiser direkt unterstellt gewesen, was sollte er nun tun als einziger Österreicher in der sich zerstreuenden Truppe ?

Schließlich übernahm Barbarossas Sohn, Herzog Friedrich von Schwaben, die Führung, doch der junge Mann war kein Ersatz für den alten Kaiser. Die Disziplin begann zu bröckeln, die Strapazen forderten ihren Preis, das Heer schmolz auf einen Bruchteil seiner einstigen Größe. Nur ein harter Kern von ungefähr 5000 Mann setzte den Marsch durch Anatolien fort, unter ihnen Franziskus, der sich mit dem jungen Friedrich gut verstand und fürderhin an dessen Seite ritt.