DER TOD DES LÖWEN
Leopolds Vermächtnis teilte sich wie sein Reich: Der ältere Sohn Friedrich, der Katholische, erhielt das Herzogtum Österreich; der jüngere Leopold VI. die Steiermark, jenes Land, das ihr Vater durch Vertrag erworben hatte. Franziskus von Wolfstein, nun 37 Jahre alt und Marschall des verstorbenen Herzogs, verbrachte die meiste Zeit in Wien und vermittelte zwischen den Brüdern, um einen Thronstreit abzuwenden.
Im Sommer 1197 rief Heinrich VI. zum Deutschen Kreuzzug auf, um das Heilige Land zu sichern. Friedrich, fromm und eifrig, schloss sich an, und Franziskus begleitete ihn als sein treuer Gefolgsmann, wie früher, der tödliche Schatten an der Seite des österreichischen Herzogs. Sie segelten von Venedig aus, doch in Messina ereilte sie die Nachricht: Der Kaiser war am 28. September an Malaria gestorben, sein Traum vom Kreuzzug zerbrochen. Das Heer, nun führerlos, drang vor, doch Friedrich erlag im April 1198 in Akkon einer Krankheit. Franziskus, allein in der Fremde, schloss sich Heinrich von Brabant, dem Mutigen, an. Gemeinsam eroberten sie Küstenstädte wie Beirut, doch der Kreuzzug endete in Stagnation. Franziskus kehrte 1198 nach Wien zurück, gezeichnet von Verlusten, doch stärker in seiner Treue.
Leopold VI., nun alleiniger Herr über Österreich und Steiermark, baute den Hof in Wien zu einem Zentrum der Macht aus. Unter ihm blühte das Reich auf: Künstler und Dichter sammelten sich, Bauten wuchsen, und Diplomatie webte Netze bis Byzanz. Um 1203 heiratete er Theodora Angelina, eine Prinzessin aus dem Angeloi-Haus, deren byzantinischer Glanz Wien mit Ikonen und Weisheit bereicherte. Österreich stand am Zenit seiner Macht, ein Bollwerk im Reich.
In weiter Ferne, in Frankreich, hörte das "Löwenherz" auf, schlagen: am 25. März 1199, bei der Belagerung von Châlus, traf ein Armbrustbolzen den König Richard Plantagenêt. Er überlebte zwar, und begnadigte den Schützen, doch Wundbrand fraß sich ein. Am 6. April starb er im Alter von 41 Jahren in den Armen seiner Mutter Eleonore. Sein Leichnam wurde in Fontevraud, sein Herz in Rouen begraben.
Sein Bruder Johann Ohneland (Jean Sans-Terre) bestieg den Thron, gestützt von Eleonore, er war bei der ersten Verteilung des Erbes nicht bedacht worden, da er der jüngste Sohn war, und ihm bei der Thronfolge anfangs keine Ländereien zustanden, daher der Beiname "Lackland" der ihm blieb.
Franziskus, mit 41 Jahren kein Jüngling mehr, doch fern vom Alten Eisen, fand Trost in Leopolds Vermächtnis: Der Herzog hatte ihm einen Weinberg in Grinzing vermacht, ein Stück Land, das einst Klosterneuburg gehört hatte, doch durch herzogliche Verfügung an Franziskus fiel. Die Babenberger hatten Macht über solche Schenkungen; Leopold, in seiner Großmut, hatte es so verfügt, als Dank für die lebenslage Freundschaft und die Treue in Akkon. Nun war Franziskus nicht nur Lehnsmann und Marschall, sondern auch Grundbesitzer, ein Mann, dessen Dolch nun Reben schnitt, statt Kehlen aufzuschlitzen.