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AM HOF DER BABENBERGER

Am Hof der Babenberger



Die Stadt Wien war in dieser Zeit von einer einfachen hölzernen Palisade umgeben, die sie vor äußeren Bedrohungen schützte. Die schmalen Gassen waren mit Lehm befestigt, und die meisten Gebäude aus Holz und Fachwerk errichtet, bedeckt von steilen Giebeldächern.
Noch nie hatte Franziskus so einen Haufen von Menschen an einem Ort gesehen, der Lärm war für ihn unangenehm und faszinierend zugleich. Kinder spielten auf den Gassen, während Handwerker ihre Werkstätten betrieben und Händler ihre Waren feil boten, dazwischen, mitten durch die Menge, ritten sie nun, der Herzog, seine Gefolgschaft und der kleine Franziskus, der aus dem Staunen gar nicht mehr herauskam.

Heinrich hatte bereits im Jahr 1155 in der südwestlichen Ecke des ehemaligen römischen Legionslagers Vindobona eine Pfalz errichten lassen, der Hof des Herzogs lehnte sich an den Mauerzug des Römerkastells an, stadteinwärts war er durch Tore gegen die bürgerliche Altstadt und die Judenstadt abgegrenzt.
Die Pfalz bestand aus mehreren Gebäuden, die sich um einen freien Platz gruppierten, der für Festivitäten, Turniere und Heerschauen Verwendung fand. Sie war zumindest teilweise durch Tore abgegrenzt. Es handelte sich um keine Burg im engeren Sinne des Wortes, sondern vielmehr um einen Hof, den Mittelpunkt bildete das Haus des Herzogs, das "Domus Ducis“, welches ihm und seiner Familie als Unterkunft diente.

Im Gegensatz zu Burg Kühnring war die Einrichtung des herzöglichen Hofes prunkvoll und luxuriös, mit der kalten und kargen Burg Wolfstein überhaupt nicht zu vergleichen, mit offenem Mund und großen Augen ging Franziskus hinter dem jungen Knappen her, der ihn zu seiner Unterkunft führte: es war eine der Kammern für die Bediensteten der Residenz, diese war jedoch größer als alle Räume, in denen Franziskus bei den Kuenringern gewohnt hatte, und er hatte sie für sich allein, das war für den Jungen das Erstaunlichste. Nach einigen Minuten erschien eine dickliche Magd, die ihm im Befehlston mitteilte, er müsse sich nun waschen:
"Hier sind neue Kleider für dich", sagte sie, "die ziehst du aber erst an, wenn du ganz sauber bist". Im Waschraum machte Franziskus Bekanntschaft mit einem duftenden Stück Seife, das Wasser war warm, die Tücher waren weich, das Ganze erschien ihm sehr unwirklich. Schließlich hatte er die frischen Kleider angezogen, sie kratzten nicht, und auch die Stiefel, die man ihm hingestellt hatte, passten ausgezeichnet.

Da saß er nun auf seiner Bettstatt und blickte aus dem großen Fenster, das mit Glas verschlossen war, durch welches das Sonnenlicht ungehindert den Raum erhellen konnte, auch etwas, was er von seinen vorherigen Wohnstätten nicht gewohnt war, dort machte man üblicherweise die Fensterläden auf und die Luft kam herein, wenn es draußen zu kalt oder zu warm war, machte man die Holzläden zu, damit war es die meiste Zeit finster in den Burgen, die er kannte.

Nach einiger Zeit, es fühlte sich für Franziskus wie Stunden an, kehrte der junge Knappe zurück und forderte ihn auf, ihm zu folgen. Sie schritten durch den Arkadengang und Franziskus bemerkte die wunderschönen Pflanzen mit bunten Blüten im Innenhof, Gattungen, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Sie erreichten eine große Türe mit Doppelflügel, der Knappe klopfte an, öffnete ganz vorsichtig einen Flügel, und blickte in den dahinterliegenden Raum.
"Er trete ein" tönte es von Innen, die Stimme klang nach einem sehr jungen Mann.

Der Raum war fast so groß wie der Festsaal in Burg Wolfstein, durch die Buntglasfenster entstand auf den Mauern ein schönes Farbenspiel, auch hangen Gobelins an den Wänden mit kunstvollen Jagdszenen, in der Mitte des Raumes befand sich ein großer Tisch, an dem ein Jugendlicher saß, sein blondes Haar halblang geschnitten, sein weißes Hemd mit einer kostbaren Spange geschmückt, so saß er da: Leopold, der Sohn von Heinrich Jasomirgott, der Prinz von Österreich, Erbe der Babenberger.

"Du bist also der Bauerntölpel aus dem Waldviertel, den mir mein Vater mitgebracht hat." seine Worte klangen emotionslos.
"Nein, kein Bauer, kein Tölpel" antwortete Franziskus mit fester Stimme.
"Soso, was ist er dann ?" fragte Leopold belustigt.
"Man nennt mich Franz von Wolfstein, ich bin der Nachkomme eines Ritters, also kein Bauer und kein Tölpel"
"Nun gut, nachdem das geklärt ist, müssen wir herausfinden, was ich mit Dir anfangen soll, mein Vater meint, Du würdest einen guten Gefährten für mich abgeben, was soll ich also mit Dir machen, was kannst Du ?"
"Kämpfen" war die Antwort, sie kam überraschend für den Prinzen Leopold und weckte sein Interesse.
"Du kannst kämpfen? Womit ? Mit den Fäusten, mit dem Messer, mit dem Schwert oder mit der Mistgabel ?"
"Womit ihr wollt" entgegnete Franziskus.
"Wir werden sehen", sprach der Prinz nach einer kurzen Pause, und zu dem Knappen gewandt: "Gebt ihm etwas zu Essen, er sieht mager aus, der braucht Fleisch auf den Knochen, bevor wir unsere Kräfte messen."

Der Knappe verneigte sich und führte Franziskus wieder auf den Gang und von dort in einen Raum neben der Küche, in dem es wunderbar nach Fleisch und Wurst roch, er bekam einen Teller voll mit schmackhaften Speisen und während er gierig alles verschlang, wusste Franziskus, er war im Himmel angekommen.