PROLOG
Prolog
Die Sonne brach golden durch die Morgendämmerung, als ein imposantes Heer im Mai 1147 auf dem ehemaligen Römerpfad entlang der majestätischen Donau durch die Wachau zog. Aufbruchsstimmung lag in der Luft, während die Soldaten in geordneten Reihen am linken Flussufer marschierten, und der Fluss sich breit und mächtig neben ihnen Richtung Süden bewegte.
Auf einem prächtigen Schiff, das stolz auf dem glitzernden Wasser flussabwärts glitt, war die imposante Gestalt König Konrads III zu sehen, in wertvolle Gewänder gekleidet, die seine Macht und Würde unterstrichen, thronte er auf einem erhöhten Sitz.
An der Reling des Schiffes lehnte sein junger Neffe Friedrich, der Herzog von Schwaben, dessen zukünftige Größe als Kaiser "Barbarossa" bereits erahnt werden konnte. Seine Augen funkelten vor Tatendrang, während er die vorbeiziehende Landschaft betrachtete. An seiner Seite, mit einem Ausdruck beherrschter Entschlossenheit, stand Konrads Halbbruder Heinrich II. "Jasomirgott", Markgraf von Österreich. Seine Hand umfasste die Reling mit festem Griff, während sein Blick über die Landschaft schweifte.
In der Ferne wurde langsam eine Gestalt erkennbar, die nach und nach die Aufmerksamkeit all jener anzog, die an Deck des Schiffes standen. An einem steilen Abhang, der sich bis zu einer kleinen Bucht auf der rechten Uferseite der Donau erstreckte, stand ein hochgewachsener Ritter. Obwohl seine Rüstung älter aussah als er selbst, erschien dieser Krieger eindrucksvoll und gefährlich, nicht zuletzt durch die riesige Streitaxt, die auf seiner breiten Schulter ruhte, während er geduldig auf die Ankunft des Schiffes wartete.
Dieser Krieger war Perchtold vom Achswald, ein Lehnsritter des Markgrafen Heinrich II von Österreich. Er war ungefähr im gleichen Alter wie Heinrich, und hatte bereits einige Abenteuer mit diesem erlebt, sie kannten einander also gut, und so hatte Heinrich ihm die Aufgabe übertragen, das Gebiet, das man den "Dunkelsteinerwald" nannte, zu bewachen und zu verteidigen, diesen düsteren Ort südlich der Donau, der voller Geheimnisse und Gefahren war. Seine eisblauen Augen verrieten die Kraft und Entschlossenheit eines Mannes, der vieles gesehen und erlebt hat, und der sich seiner Verantwortung bewusst war.
Als das Schiff schließlich dem Ufer näher kam, stieg Perchtold in den Donaustrom und schritt darauf zu, er ergriff das Seil, das man ihm zuwarf, und kletterte, trotz der schweren Rüstung, mühelos an Bord.
Die Anwesenheit dieses tapferen Kriegers sollte sich als entscheidend erweisen bei dem Kreuzzug, der von Papst Eugen und dem Abt Bernhard von Clairvaux gepredigt worden war, bis schließlich Mitte Mai 1147 auch der Stauferkönig Konrad III. in Regensburg sein Heer in Bewegung setzte. Nun schlossen sich ihm auf dem Marsch durch Österreich immer weitere Kontingente an.
Perchtold von Achswald kniete nieder vor seinem König und stützte sich dabei auf die große Streitaxt.
Markgraf Heinrich schritt auf ihn zu, und zeigte ihm an, wieder aufzustehen, mit freundlicher Stimme begrüßte er den Ritter:
"Perchtold, mein treuer Lehensmann, wie hältst Du es nur aus in dieser Wildnis ? Kein Wunder, dass man diese Gegend den Dunkelsteinerwald nennt, es ist dunkel, steinig und offensichtlich ein dichterer Wald als im Rest unseres Landes. Setzen Euch die slawischen Stämme immer noch unter Druck ?"
Der Ritter antwortete respektvoll: "Hoheit, es ist gut, Euch bei bester Gesundheit zu sehen. Fürwahr, der Wald ist dunkel, doch ist die Bedrohung durch die Slawen auf dieser Seite der Donau nicht so groß, denn die Kuenringer im Norden verteidigen standhaft Euer Reich."
"Ja ja, es sind tapfere Ministerialen, Deine Freunde, diese Kuenringer," sprach Heinrich mit Anerkennung in der Stimme, "doch auch Deine Entschlossenheit ehrt uns, Perchtold, Du hast die Grenzen unseres Landes vor vielen Übertritten beschützt."
Er klopfte dem Ritter auf die Schulter. Nach einigen Augenblicken der Stille fuhr Heinrich fort:
"Der Ruf des Kreuzzugs eint uns nun wieder, Perchtold, König Konrad hat sich diesem heiligen Unterfangen angeschlossen, um Edessa zurück zu erobern, und dem Emir von Mossul zu zeigen, wo sein Platz ist. Das scheint vielen Menschen ebenso bedeutsam zu sein, wie den Frieden im eigenen Land zu wahren."
Perchtold wollte sichtlich nicht viel dazu sagen, er antwortete verhalten: "Seid versichert Hoheit, dass ich an Eurer Seite stehe."
"Deine Treue ist unerschütterlich, und ich vertraue darauf, dass du wachsam sein wirst", sprach Heinrich und legte dem Ritter die Hand auf die Schulter.
"Gott wird über uns wachen. Ihr werdet siegreich sein" sagte dieser.
Heinrich blickte sinnend in die Ferne und erwiderte nach einer kurzen Pause:
"Jaja, ich werde siegreich sein - so wahr mir Gott helfe ..."
Die Hitze der Schlacht wogte wie eine Flut über das Schlachtfeld bei Doryläum. Die verzweifelten Schreie der Kreuzfahrer vermischten sich mit dem metallischen Klang von Waffen und dem Donnern von den Hufen der Pferde. Die muslimischen Krieger drangen in einem gewaltigen Ansturm auf die christlichen Streitkräfte ein, die gezwungen waren, sich zurückzuziehen. König Konrad III, der zwar ein erfahrener Krieger war, wurde in diesem Tumult vom Rücken seines scheuenden Pferdes geworfen, er landete unsanft am Ufer des Flusses Tembris, und sah wehrlos dem Angriff der Feinde entgegen.
In diesem kritischen Moment, als der König dem sicheren Tod ins Auge blickte, brach eine schwarz gerüstete Gestalt aus der Menge der Kreuzfahrer hervor. Es war Perchtold vom Achswald, seine Rüstung von vielen Schlachten gezeichnet, die schwere Streitaxt hielt er mit einer Hand hoch über dem Kopf.
Mit dieser scharfen tödlichen Waffe bahnte sich der Ritter einen blutigen Pfad durch die Reihen der Feinde.
Zwei Muselmanen wollten sich gerade auf den verwundeten, am Boden liegenden König stürzen, doch bevor sie auch nur einen Schlag ausführen können, zerschmetterte Perchtold ihre Köpfe mit mächtigen Hieben.
Blutverschmiert und schwer atmend stand nun der Ritter schützend über seinem König und ließ seine Axt kreisen, er tötete und verwundete jeden Angreifer, der ihm zu nahe kam, und sie begannen, sich zurück zu ziehen, denn alleine schon der Anblick des alten Kriegers mit der riesigen Streitaxt, und der Berg von Leichen rund um ihn herum, schlug die meisten in die Flucht.
König Konrad konnte kaum fassen, was gerade geschehen war, als Perchtold sich über ihn beugte und ihm half, sich aufzurichten.
Dankbarkeit und Anerkennung glomm in den Augen des Königs, während er seinem Retter wortlos zunickte.
Perchtold hatte zwar dem König das Leben gerettet, konnte aber keinen Wendepunkt im Verlauf der Schlacht herbeiführen.
Das Heer des römisch-deutschen Königs Konrad III war von den Seldschuken vernichtend geschlagen worden, und zog sich Richtung Konstantinopel zurück.
Ein Lager wurde bei Nicäa aufgeschlagen, die Flammen des Lagerfeuers züngelten in der Nacht und warfen flackernde Schatten auf die Gesichter der erschöpften Kreuzfahrer. Unter den Männern, die um das Feuer versammelt waren, erhob sich, trotz der Niederlage, eine feierliche Stimmung. In ihren Augen spiegelten sich Bewunderung und Respekt, und im Stimmengewirr ihrer Unterhaltung vernahm man immer wieder Perchtolds Namen: "Achswald, die Axt des Königs".
Auch der Markgraf von Österreich blickte mit stolzem Lächeln auf den Gefährten, der etwas abseits der Menge stand. Das Blut der Feinde auf der Rüstung des einfachen Ritters glänzte im Schein der Flammen, er stütze sich auf die Streitaxt und schien von den anderen Männern keine Notiz zu nehmen.
Heinrich schritt langsam auf ihn zu und stellte sich neben ihn, einige Minuten lang standen sie da, ohne ein Wort zu sagen, und blickten in das große Lagerfeuer.
"Jetzt hast Du auch einen Beinamen, Perchtold, seit heute bist Du "Die Axt des Königs". Das klingt gut, klingt gefährlich." unterbrach Heinrich das Schweigen.
"Krieg ist immer ein gefährliches Geschäft" antwortete Perchtold leise.
"Das wird nicht unser letzter Kampf gewesen sein, alter Freund" sagte Heinrich, und ging zurück zu seinem Zelt. Der Ritter Perchtold aber stand noch lange da und vor seinem inneren Auge sah er die verzerrten Gesichter der vielen Männer, die er an diesem Tag vom Leben zum Tode befördert hatte.